Entschuldigt, dass ich mich jetzt erst wieder melde!
Aber dafür wird's diesmal ein besonders langer Beitrag.
@twiggy: Ich weiß nicht genau, ob es im Sinne der Forenregeln ist, wenn ich sowas hier schreibe? Also wenn nicht, bitte ich die Mods meinen Beitrag zu editieren.
Wobei mir gerade auffällt - in Wahrheit kann ich dir gar nicht sagen, wieviel oder was ich normalerweise esse, weil es einfach soo unterschiedlich ist! Das widerspricht jetzt zwar dem, was man oft über die Wichtigkeit von geregelten Mahlzeiten hört, aber für MICH (bitte bitte nicht unreflektiert auf jemand anderen ummünzen!) funktioniert es einfach anders am besten. Mein Lebensrhythmus ist einfach so unterschiedlich - und
wie viel,
wie oft und auch
wie gerne ich esse, unterliegt jeder Menge Faktoren:
~ ob ich frühmorgens aufstehe oder ausschlafe
~ ob ich vor Mitternacht schlafen gehe oder gar nicht
~ ob ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze oder schwer körperlich arbeite
~ ob ich an dem Tag Sport mache oder nicht
~ ob ich bekocht werde oder mich mit jemandem in einem Restaurant treffe oder mich selbst um mein Essen kümmern muss
~ ob ich an einem Tag eine ruhige Kugel schiebe oder viele Aktivitäten unter einen Hut bringen muss
Was ich festgestellt habe: je aktiver mein Tagesablauf, desto kleiner mein Problem mit dem Essen! Wenn ich sehr beschäftigt bin, gibts eben nur ganz bestimmte Zeitfenster fürs Essen, und die sind dann auch wieder vorbei und es besteht nicht die Gefahr, immer weiter und weiter zu futtern und sich in einen Fressanfall reinzusteigern! (So wars bei mir früher. Es hat nie damit begonnen, dass ich vorm Kühlschrank stand und genau wusste, das wird jetzt ein FA, sondern oft überlegte ich, was ich möglichst Kleines, Kalorienarmes zu mir nehmen könnte und wollte dann nur noch hiervon ein Stückchen und davon ein Häppchen probieren, wurde dabei immer hektischer und frustrierter und ließ mich schließlich komplett gehen).
Außerdem ist es so, wenn ich viel (körperlich) gearbeitet oder Sport gemacht habe oder einfach nur auf Achse war, dann
schmeckt das Essen irgendwie viel besser, weil ich eher das Gefühl habe, meinem Körper etwas zu geben, das er braucht! Da habe ich dann auch nach einer richtigen Riesenportion kein schlechtes Gewissen.
Generell spielt das Genießen bei mir eine entscheidende Rolle. Wenn ich von einer wirklich, wirklich leckeren Speise zu viel esse, komme ich damit eher klar, als wenn ich mir voller schlechtem Gewissen hiervon und davon ein klitzekleines bisschen zusammenklaue und kalorientechnisch damit auf eine ganz normale Mahlzeit komme - nur eben ohne den Genuss.
Deswegen sind das kritische sind bei mir eher die faulen und die Schreibtischtage. Da neige ich dazu, vor mich hinzumampfen, keinen wirklichen Hunger abzuwarten sondern schon beim bloßen Gedanken an Essen irgendwas zu futtern, was natürlich schlechtes Gewissen zur Folge hat ... und was negative Gefühle in Verbindung mit Essen heraufbeschwören können, wissen wir ja alle.

Dann ist halt Selbstdisziplin gefragt. Ich versuche mir zu sagen: "Du hast heute schon so und soviel gegessen, kalorientechnisch kommst du damit locker mindestens bis zu der und der Uhrzeit durch. Bis dahin tust du jetzt was Produktives und lässt dich durch nichts ablenken (auch nicht Appetit), und dann gibts dafür was Vernünftiges."
Funktioniert immer öfter ... außerdem denke ich dann zur festgesetzten Zeit manchmal gerade gar nicht ans Essen.
Insgesamt versuche mir fürs Essen so wenig Regeln wie möglich aufzuerlegen. Aber was ich im Moment schon noch machen muss: mich vor jeder (Zwischen-)Mahlzeit fragen, ob ich damit gerade meinen Körper oder meine Seele füttern will. Wir hören ja immer, dass wir mit Essen keine Gefühle betäuben und keine Leere füllen sollen - aber ganz ehrlich, selbst wenn ich mal soweit war, mir einzugestehen, dass ich gerade nicht aus Hunger sondern aus irgendwelchen psychischen Gründen essen wollte - ich musste feststellen, dass diese Erkenntnis alleine nicht automatisch heißen muss, dass man die Kühlschranktür wieder schließt.
Aber wenn man sich diesen Zusammenhang einfach immer und immer und immer wieder vor Augen führt, verinnerlicht man ihn trotzdem irgendwann. Und das Erfolgserlebnis, wenn man zum ersten Mal ein negatives Gefühl ausspricht und eine verständnisvolle Reaktion dafür bekommt - und man genau merkt, dass man damit gerade eine Fressattacke umgangen ist ... oh wow, ich kann euch sagen!
Und noch so eine Sache, die ich mir im Geiste ziemlich oft vorsage - einfach nur, damit sie mir dann auch einfällt wenns darauf ankommt: "Weinen statt essen!"
Die Sache mit den Tränen hatte ich nämlich ohne es zu merken schon so gut wie verlernt.
Puh, mir wird gerade bewusst, wie verdammt viel Arbeit und Geduld in Wahrheit dahinter steckt, dass ich heute so schreiben kann. Hätt ich mir gar nicht zugetraut, dass ich so zäh sein kann ...
Aber dann schafft ihr das doch auch, oder!?!?!?!