Bulimie und Übergewicht

#1
Hallo ihr Lieben,

ich habe durch die Bulimie in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, sodass ich inzwischen Übergewicht habe. Der Grund besteht meiner Meinung nach darin, dass ich 3x/Tag normal esse, nicht übermäßig Sport mache und dann aber die FA's oben drauf kommen. Ich übergebe mich nur nach den FA's und auch das klappt nicht immer. Ich bin so hin und her gerissen: Einerseits bin ich froh, ein strukturiertes Essverhalten zu haben und mich "nur" noch 3x/Woche zu übergeben. Andererseits habe ich diese kranken Gedanken, dass sich noch nichtmals die jahrelange Bulimie und Schändigung meines Körpers gelohnt hat und ich trotzdem übergewichtig bin.
Somit belastet mich die Bulimie + mein Übergewicht und die damit verbunden Versagensgefühle.

Ist von euch vielleicht jemand in einer ähnlichen Situation? Wie geht ihr damit um?

Ganz liebe Grüße :-)

Re: Bulimie und Übergewicht

#2
Hallo Rosenstolz,
ich kann dich da absolut verstehen und bei mir sieht es ganz genau so aus.
Ich habe durch eine stationäre Therapie es geschafft eine normale Essstruktur aufzubauen und habe leider trotz der regelmäßigen Mahlzeiten oft am Abend Essanfälle, wodurch ich wieder im Übergewicht bin.
Ich versuche an den drei Mahlzeiten, sowie Zwischenmahlzeiten festzuhalten, weil dadurch die Essanfälle bei mir nicht so extrem sind wie damals und auch mein Körper sich gegen das Erbrechen nach einer Zeit wehrt.

Ich glaube, dass du auf einen sehr guten Weg bist und kann dir nur raten, weiterhin deine Essstrutur beizubehalten.
Die Essanfälle sind dann nämlich von den Gefühlen ausgelöst, welche wir nur mit einer Therapie nach und nach auflösen können.

Wie sieht es bei dir aus? Bist du in Therapie?

LG

Re: Bulimie und Übergewicht

#3
Vielen Dank für deine liebe Antwort!

Den Tipp mit einem Snack am Nachmittag hat mir eine Ernährugnsberaterin auch mal gegeben, um FA's vorzubeugen. Ich merke halt, dass ich dann noch so nachmittags am Schreibtisch keine Lust/Zeit/Zutaten habe um mir gesunde und zufriedenstellende Snack zuzubereiten, wie sie mir empfolen wurden, und dann doch die Lust auf Schokolade kommt, bei der man nicht aufhören kann. Naja, mit diesem Problem bin ich hier ja nicht die Einzige :-D.

Ich bin seit insgesamt 4 Jahren in ambulanter Therapie. Die ist sehr auf die psychischen Komponenten ausgerichtet, Familie usw. Das ist auch gut und hilfreich, aber ich komme trotzdem mit der Bulimie nicht so wirklich weiter und sie wird direkt auch nicht thematisiert. Getreu dem Motto: Bulimie ist nur ein Symptom und hört von selbst auf wenn der Rest passt. Bin mir manchmal unsicher, was ich von diesem Ansatz halten soll.
Wie ist das bei dir? Was wird zu dem Thema in der stationären Therapie gesagt?

Liebe Grüße

Re: Bulimie und Übergewicht

#4
Das mit den fehlenden Ideen bzw der Lust auf eine vernünftige Zwischenmahlzeit kenne ich auch.
Ebenfalls die Gedanken, dass ich trotz der Zwischenmahlzeiten in einem Essanfall am Abend verfalle und mir somit direkt im Vorfeld wieder die Zwischenmahlzeit verbiete. Ein Teufelskreis.

Ich finde es gut, dass du in ambulanter Therapie bist und verstehe auch den Ansatz deiner Therapeutin.
Meine erste ambulante Therapeutin hat es genau so gehandhabt.
Dadurch hat sich meiner Ansicht nach die Bulimie allerdings nur verstärkt.

In der stationären Therapie werden meine Traumata und die Essstörung gleichzeitig behandelt. Sprich ich bin in einer Essbegleitung, muss meine Süßigkeiten abgeben und Analysebogen ausfüllen, wenn es zum Essanfall kommt. Ebenfalls habe ich einmal die Woche eine Ernährungsberatung.

Meine neue ambulante Therapeutin spricht mit mir aktuell nur über die Essstörung und meine anderen "Fluchtstrategien", um diese zu reduzieren. Die anderen Themen besprechen wir nur am Rande.
Diese Woche hat mir meine Therapeutin auch mitgeteilt, wenn ich nicht meine Ess- und Brechanfälle reduziere, dass eine weitere ambulante Therapie keinen Sinn ergibt. Die Aussage fande ich sehr hart, hat mich aber nochmal mehr dazu bewegt mehr Skills zu benutzen und mein Essverhalten zu verbessern.

Wie lange leidest du schon unter deiner Bulimie? Wäre eine stationäre Behandlung für dich denkbar?

Gerne kannst du mir auch privat schreiben, wenn du magst.

LG

Re: Bulimie und Übergewicht

#5
Hey,
sicher ist eine gute Essstruktur richtig und wichtig aber sie alleine löst nichts.
Bulemie als Symptom zu sehen.... find ich schwach, das würde voraussetzen dass wir vorher alle schrecklich an Unterernährung litten. Dünn war ich immer, das ist es absolut nicht und im Vergleich zu früher (Pubertät, da war ich auch sehr schlank und nicht erkrankt) ernähre ich mich ansonsten so gesund wie wenige - nährstoffreicher als die meisten.
Langes Fasten habe ich auch nie betrieben. Wenn eher aus versehen.
Struktur fehlte mir immer, hektischer Alltag und ja ich esse nicht 6 x am Tag.
Sich nichts zu verbieten höre ich sehr häufig aber bei mir klappt es definitiv am besten wenn ich auf Zucker verzichte - es triggert alte Gewohnheiten. (Meine damit Schoki, Kuchen etc.)
Das würden viele sicher so nicht gelten lassen....
Ich merke es auch oft - wenn etwas stressig war, danach wenn dieser abfällt dann habe ich am häufigsten FAs.

Ich denke das ist für mich der richtige Weg.
Aber schätze es ist bei euch ähnlich? Also gerade an Tagen z.B. wo ich doch mal auf der Arbeit n Stück Kuchen hatte, aber auch Trockenobst - der Blutzucker macht denke ich viel aus. An Tagen wo der Achterbahn fährt ist es am schlimmsten und da Insulin & Stresshormone zusammenarbeiten finde ich es eben richtig das nicht zu unterstützen.

Re: Bulimie und Übergewicht

#6
@PLK

Eine stationäre Behandlung ist für mich aktuell nicht denkbar. Der Grund besteht darin, dass ich schon meistens denke "ach, so schlimm ist es nicht", was natürlich Schwachsinn ist. Ansonsten muss ich sagen, dass ich die Intensität der Bulimie üebr die Jahre schon deutlich verringern konnte und ein paar Monate auch mal symptomfrei war. Ich habe das Gefühl, dass die Fressanfälle plus Übergeben inzwischen zu einer Gewohnheit geworden sind um Stress abzubauen. Nun sagt man ja, dass sich Gewohnheiten auch leicht ändern lassen und da ist eben der Knackpunkt.
Insofern würde mich echt interesssieren, was für Skills du so gelernt hast? Kannst du Tools/übungen/ Was auch immer aus deiner Erfahrung empfehlen, die helfen einen FA zu vermeiden?

Re: Bulimie und Übergewicht

#7
Hallo Rosenstolz,

der erste Schritt zur Besserung ist ja schon, dass wir Ess- Brechanfälle reduzieren.
Ebenfalls habe ich gelernt, mich für das Verhalten nicht mehr selbst zu verurteilen. Das hilft aus meiner Sicht auch schon, den nächsten Essanfall zu vermeiden.
Richtige Skills um einen Essanfall zu verhindern habe ich nicht. Bei mir liegt es in erster Linie daran, dass ich dissoziiere und dadurch meinen Körper nicht spüre. Durch das Essen und den Geschmack, sowie den vollen Magen und das anschließende erbrechen, kann ich mich wieder besser spüren. Daher benutze ich sogenannte Skills, wie Musik hören, Kühlpack auf die Haut oder in den Nacken legen, Amoniak schnüffeln, einen Igelball in die Hand nehmen, Baden gehen oder Wechselduschen (kalt/warm) machen.
Dies hilft, um erstmal wieder mehr zu spüren und mich von dem Gedanken ans Essen abzulenken.
Wenn dann mein Wille noch groß genug ist, nicht über der Schüssel zu hängen und auf meine Gefühle zu schauen, festzustellen, was ich gerade brauche, kann ich manchmal einen Essanfall verhindern.

Ich habe meine Essstörung bis vor ca einem Jahr noch vor mir selbst verleugnet und nicht verstanden, wieso die Ernährungsberaterin in der Klinik diesbezüglich so streng zu mir war. Da aus meiner Sicht es doch garnicht so schlimm ist, ab und zu, zu erbrechen.
Mittlerweile habe ich eingesehen, dass ich keine Kontrolle mehr darüber habe und es ohne Therapie nur schlimmer wird.

Solltest du dich mal für eine Klinik entscheiden, melde dich gerne bei mir, für weitere Informationen.

Lg

Re: Bulimie und Übergewicht

#8
Hallo Sunny86,

also ich kann von mir sagen, dass wenn ich mir nichts verbiete und auch auf der Arbeit mal etwas nasche, dass ich es dann häufiger ohne Essanfaöl am Abend schaffe, da mein Körper gesättigt ist.
In den Zeiten, in denen ich trotz Zwischenmahlzeit am Abend erbreche, liegt es bei mir definitiv an den Gefühlen, Bilder und Erinnerung an Traumata bzw an meiner Vergangenheit, welche ich nicht ertrage.
Daher kann ich deine Ansicht nicht ganz teilen. Aber auch wenn wir alle dieselbe Erkrankung haben, äußert sie sich doch bei jedem Menschen anders.

Lg