Hallo an alle

#1
Ich bin neu hier und würde mich freuen, wenn ich einen Austausch mit Jemandem hätte, der meine Situation versteht oder dem es sogar ähnlich geht. Ich bin bereits 37 und seit der Pubertät Bulimikerin. Es gibt absolut niemanden, mit dem ich reden kann. Ich hatte mal einen Freund, dem habe ich es gebeichtet, es hat ihn nicht sonderlich interessiert. Meine anderen Partner schienen es über Jahre nicht gemerkt zu haben. Oder sie haben ihre Augen verschlossen, weil sie es nicht wahrhaben wollten. Ich weiß selber nicht, wie ich es seit über 20 Jahren hinbekomme. Seit anderthalb Jahren habe ich einen Freund, den ich sehr liebe. Manchmal habe ich das Gefühl, es ihm beichten zu müssen, damit er bescheid weiß. Aber zu groß ist meine Angst, dass er mich verlässt. Ihr alle kennt bestimmt diese Scham und die Angst, dass alles auffliegt.
Ich bin immer hin und hergerissen. Einerseits will ich aufhören, schäme mich so wahnsinnig, dass ich so ein Freak bin und habe auch panische Angst, dass ich daran sterbe. Andererseits habe ich das Gefühl, dass ich die Bulimie brauche. Ich liebe Essen einfach und habe panische Angst zuzunehmen. Momentan belastet mich sehr, mit niemandem reden zu können. Vllt findet sich jemand, der mit mir schreiben will.
Liebe Grüße an alle.
Ps: Eine Psychotherapie hatte ich mal, hat nichts gebracht. Eine neue kann ich aus beruflichen Gründen nicht anfangen, bzw. könnte ich dem Psychologen nicht die Wahrheit sagen. (kompliziert, ich weiß, ich möchte mich darüber nicht auslassen, es ist halt leider so. )

Re: Hallo an alle

#3
@anasp: in diesem Forum gibt es verschiedene Regeln (REGELN) zu beachten. Unter anderem werden keine Tipps zum besseren Erbrechen ausgetauscht.
Hier handelt es sich um ein Forum, in dem sich die Leute dabei unterstützen, die Krankheit zu bekämpfen... und nicht sich noch weiter in ihr zu verstricken.

In diesem Sinne bist du herzlich willkommen hier!
Lies dich durch ein paar Themen von den Leuten... vielleicht hast du danach ein paar andere Fragen. :wink:

LG!

Re: Hallo an alle

#4
Qhope83

Hallo Hope83
ich weiß nicht ob Dich diese Nachricht erreicht. Aber ich weiß genau wovon Du sprichst. Bin mittlerweile 53 J. und habe seit 30 Jahren Bulimie. Verstecken hat immer geklappt. Man wird erfinderisch. Psychotherapie, ja, hatte ich duzende. Nichts hat geholfen. Selbsthilfe, stationäre Therapie. Hab alles schon hinter mir. Es heißt je länger man Bulimie hat, desto schwieriger der Ausstieg. Es hat sich im Gerhirn manifestiert. Eine Sucht die du nicht heilen kannst, sondern nur zum Stillstand bringen kannst. Wie schwer das ist, wenn man gerne ist und dazu auch noch schlank sein will, davon kann ich ein Buch schreiben. Freunde, Partner, hatte ich viele, keiner hats gemerkt oder wollte es merken. Glaube mir, so hart es klingt, Du musst Dir selber helfen. Ich bin gerad dabei aufzuhören, ich weiß ich werde es schaffen. Und jetzt sag ich Dir auch warum. Ich habe vor einem Jahr eine so starke Kehlkopfentzündung bekommen, das eine stationäre Spiegelung vorgenommen wurde. Die Ärzte in der UNI sagten mir, das der Kehlkopf und die Speiseröhre das Erbrechen mit der Magensäure nicht mehr kompensieren können. Entweder ich höre auf oder es entsteht irgendwann Krebs. Meine Stimme war sehr dünn, sprechen tat weh, war anstrengend. Ich wolle es nicht glauben, dachte die wollen mir nur die "Bulimie" wegnehmen. Was hab ich denn dann sonst noch. Das waren meine Gedanken. Dann habe ich aufgehört zu brechen. Jeden Tag kleine Portionen gegessen. Und siehe da nach 3 Wochen war mein Hals ok. Die Ärzte hatten recht. Nun Du kennst es sicher selber. Alles wieder gut, man kann ja wenigstens einmal brechen, das dürfte nicht so schlimm sein. Dann hing ich nach einigen Tagen wieder voll drin. Und es kam wie es kommen musste. Zum Ende des Jahres wieder Kehlkopfentzündung. Das habe ich jetzt seit 3 Wochen und bin dabei es auszuheilen. Es geht schleppend voran. Ich esse jetzt jeden Tag "normal" kleine Portionen, habe *kg zugenommen, das ist ok. Obwohl *kg für mich *kg sind. Aber ich will leben. Jetzt habe ich 3 Wochen nicht mehr gekotzt und ich werde nicht mehr kotzen, denn sonst werde ich Krebs bekommen. *kg mehr auf der Waage und gesund sein. Da ich schon mein Leben lang Sport mache, denn ich liebe Bewegung werde ich meinen Körper nicht mehr quälen. Wenn Du mal im Internet recherchierst wie schlimm Bulimie eigentlich wirklich ist, dann stehen Dir die Haare zu Berge. Ich sag Dir nur eines versuche alles erdenklich mögliche davon loszukommen. Egal was Du tun musst. Rede mit Menschen darüber, breche das Schweigen, vertraue und fang an Deinen Körper zu mögen. Das Leben ist nicht da um auszusehen wie ein Model. 30 Jahre meines Lebens habe ich mich gequält und weiß heute nicht warum. Es ist eine psychische Erkrankung und um dem auf die Schliche zu kommen musst Du Dich ernst nehmen. Mir hat die Psychotherapie vieles über mich und meiner beschissenen Kindheit eröffnet. Aber irgendwann zählst nur noch Du, glaub mir. Du bist wertvoll, liebenswert, einfach ein toller Mensch, der Hunger hat, essen darf. Ein Tipp noch. Wenn Du regelmäßig isst, dann vergehen die Heißhungerattacken, weil Dein Körper und Dein Hirn lernen, das es immer wieder Nachschub gibt. Und gönne Dir alles wonach Du Lust hast, wenn es nicht gerade super fett und süss ist. Ich koche immer selber und liebe Gemüse. Aber es gibt kein "das darf ich nicht, das soll ich nicht". Zumindest am Anfang höre auf Deinen Apetitt. Es ist verdammt schwer, aber es geht, glaube mir. Ich wollte immer Modelmaße haben, dachte nur dünn ist liebenswert. Momentan wiege *kg bei Größe 1,67 cm. Das ist ok oder nicht. Mit Bulimie waren *kg. Also wo ist da der große Unterschied. So jetzt komme ich mal zum Ende. Ich hoffe ich konnte Dir irgendwie Verständnis entgegen bringen. Ich fühle mit Dir. Und ich verstehe was Du durch machst.
Gruß
von einer Unbekannten die anonym bleiben will

Re:Liebe Unbekannte

#5
Danke für deine ausführlichen Zeilen und deine Offenheit. Zunächst wünsche ich dir ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen, um es wirklich komplett auszustehen. Sowohl die Entzündung als auch die Bulimie. Ich fühle mich etwas besser, zu lesen, dass es auch andere gibt, denen es so geht wie mir. Nicht dass ich euch was schlechtes gönne, oder schadenfroh bin aber zumindest weiß ich nun, dass ich nicht ganz allein bin mit dem Problem als deutlich Erwachsener. Kamen die Halsprobleme denn ganz plötzlich bei dir? Hast du den Ärzten gesagt, was los ist oder wie kamen sie dazu, dir klar zu machen, dass du das rückwärts kauen einstellen sollst? :D Ich habe schon oft überlegt, es jmd zu sagen, aber ich krieg es nicht über die Lippen. Ich schäme mich so 😣
an alle: Hat jemand Erfahrung mit diesem 12 Schritte Programm, welches von den anonymen Alkoholikern übernommen wurde? Ich glaube von heute auf morgen kriege ich keinen totalen Cut hin. Ich versuche es schrittweise und dokumentiere es. Hat jemand Erfahrung gemacht, ob das hilfreich ist? LG an Unbekannt und an alle anderen.

Re:Liebe Unbekannte

#6
Danke für deine ausführlichen Zeilen und deine Offenheit. Zunächst wünsche ich dir ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen, um es wirklich komplett auszustehen. Sowohl die Entzündung als auch die Bulimie. Ich fühle mich etwas besser, zu lesen, dass es auch andere gibt, denen es so geht wie mir. Nicht dass ich euch was schlechtes gönne, oder schadenfroh bin aber zumindest weiß ich nun, dass ich nicht ganz allein bin mit dem Problem als deutlich Erwachsener. Kamen die Halsprobleme denn ganz plötzlich bei dir? Hast du den Ärzten gesagt, was los ist oder wie kamen sie dazu, dir klar zu machen, dass du das rückwärts kauen einstellen sollst? :D Ich habe schon oft überlegt, es jmd zu sagen, aber ich krieg es nicht über die Lippen. Ich schäme mich so 😣
an alle: Hat jemand Erfahrung mit diesem 12 Schritte Programm, welches von den anonymen Alkoholikern übernommen wurde? Ich glaube von heute auf morgen kriege ich keinen totalen Cut hin. Ich versuche es schrittweise und dokumentiere es. Hat jemand Erfahrung gemacht, ob das hilfreich ist? LG an Unbekannt und an alle anderen.
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