Recovery und Übergewicht

#1
Hallo zusammen,

zuerst mal das Positive :) In den letzten Monaten habe ich für mich wirklich große Fortschritte in der Essstörungsbewältigung gemacht. Während ich im April noch beinah jeden Tag einen Bulimie-Rückfall hatte und immer hoffnungsloser wurde, dass ich je eine Chance habe, essstörungsfrei zu werden, habe ich der Essstörung wieder mehr den Kampf angesagt. Es läuft zwar nicht komplett rückfallfrei, aber so "gesund" war ich in puncto Essverhalten die letzten 5 Jahre ambulant noch kein einziges Mal. Im ganzen August hatte ich nur einen Rückfall, zurzeit ca. alle 1-2 Wochen. Ich weiß, da ist noch Luft nach oben, aber es ist auf alle Fälle ein Anfang.

Kurz zu meiner Essstörungsgeschichte: Nach mehreren Jojo-Diäten in meiner Jugend bin ich vor 5 Jahren (damals war ich 20) in die Anorexie abgerutscht. Aus dem Untergewicht war ich nach einem dreiviertel Jahr draußen und bin auch nicht mehr reingekommen, was ja schon mal gut ist. An diesem Punkt (Winter 2015/16) hat sich allerdings die Bulimie entwickelt, die ich seit 4 Jahren immer wieder versuche loszuwerden. Fressattacken und Erbrechen sind für mich in der Zeit leider zur Gewohnheit geworden und ich habe stark an mir gezweifelt, weil ich fast durchgängig in Therapie war und kaum Fortschritte sehen konnte. Dass ich die letzten Monate für meine Verhältnisse so wenig Rückfälle hatte, ist super, aber jetzt mein riesen großes Problem: Ich habe über **kg zugenommen und bin damit im Übergewicht gelandet. Meine größte Essstörungsangst ist wahr geworden: Wenn ich "normal" esse, werde ich übergewichtig. Das macht mich richtig fertig, weil ich damals, als ich begonnen habe abzunehmen, genau an diesem Gewichtspunkt stand. Ich war schon bei der Ernährungsberatung und habe Essprotokolle vorgezeigt. Sie meinte, dass ich von meinen Essensmengen eigentlich weder zu- noch abnehmen sollte, mein Bewegungsverhalten ist auch in Ordnung. Jetzt zweifle ich sehr stark an mir und die Essstörungsgedanken und -ängste werden wieder viel lauter. Ich will die Essstörung loswerden, deshalb kämpfe ich dagegen an. Ich traue mir nicht zu "gesund" abzunehmen, weiß aber auch nicht, wie ich meinen Körper akzeptieren soll, wie er jetzt ist. Ich habe Angst, dass die Gewichtszunahme nicht endet, ich wie früher wieder um die Ohren geschmettert bekomme, dass ich zu dick bin. Ich merke, dass mein Selbstwert in den letzten Wochen wieder geringer wird, ich ständig Selbstabwertungsgedanken habe und sich viel mehr um Gewicht und Essen dreht, wobei ich mir als Versager vorkomme. Aber vor allem habe ich Angst, jetzt wieder einzuknicken und den Gedanken, dass es mir mit der Bulimie zumindest in puncto positiveres Körpergefühl besser ging, nachzugeben.

War oder ist jemand in einer ähnlichen Situation und kann mir Tipps geben, wie ich damit umgehen kann? Ich will den Fokus eigentlich von Gewicht und Figur weglenken und deswegen nicht rumjammern, aber ich fühle mich damit gerade sehr allein gelassen, weil sich niemand so richtig in mich reinversetzen kann.

Tut mir leid, dass die Nachricht so lang geworden ist und ich hoffe, dass ich niemanden damit nerve!

Liebe Grüße
hope-collector

Re: Recovery und Übergewicht

#2
Hallo, nach einer langen Zeit bin ich wieder da.
Ich gehe nur mehr alle 2 Tage statt jeden Tag auf die Waage. Warum weil sich mein Gewicht auch auf Übergewicht eingependelt hat und so bleibt.
Da ich mich gut bewegen kann und auch Sport mache, juckt es mich nicht. Ich glaube mittlerweile dass wenn man normal isst und klein ist, so wie ich es bin, nicht schlank sein kann. Denn selbst mit nur Wasser trinken und 3 Cappuccino s am Tag ist es zu viel oder zu fett zu suss. Mir schmeckt aber nun mal Butter am Brot, waere ich schlank, dürfte ich laut Ernährung sberaterin keine Butter essen. Wärhh sag ich nur. Und das sind auch die Gewohnheiten aus der Kindheit. Gesundheit bedeutet, dass dir dass Gewicht echt egal wird. Andere Dinge werden wichtiger. Oder auch nicht. Irgendwann wird es dir zu blöd sein Kalorien zu zahlen. Es ist auch so, dass manche Menschen wassereinlagerungen haben, schlechte Schilddrüse Werte, schwere Knochen... Was ist es für eine Welt, in der es wichtig ist was wir wiegen unser Fleisch wird gewogen... Die Seele zählt, das gute im Menschen. Das kann man nicht wiegen. Nur spüren. Gesundheitlich stirbt man mit ein paar Kilos mehr niczt so schnell. Bei verstopften Arterien wg blutfetten, kriegt man halt einen Stent

Re: Recovery und Übergewicht

#4
Es kann sein, dass dein Körper erst einmal alles einlagert, was er an Nahrung bekommt, wenn du lange Zeit bulimisch warst. Dazu musst du nicht einmal extrem wenig gegessen oder gewogen haben. Ich hatte diese Phase auch, in der ich mit normalen Nahrungsmengen an der oberen Grenze des Normalgewichts lag. Gib deinen Körper Zeit, er Pendelt sich wieder ein.
cron