Neu und hoffnungsvoll

#1
Hallo zusammen,

Mein Name hier im Forum ist Aurelia, ich bin Mitte 20 und Mutter einer kleinen Tochter. Bulimie habe ich bis vor ca. sechs Jahren gehabt, dann hatte ich durch Heirat und eine gute, lange Phase wirklich lange Ruhe davon. Seit ca. einem Jahr ist sie zurück.
Angefangen hat es damit, dass ich einen anderen Mann kennengelernt habe, in den ich mich verliebt habe. Er ist umgänglicher, rücksichtsvoller, empathischer im Umgang mit mir und meinen Problemen (ich leide u.a. noch an einer Persönlichkeitsstörung und einer Zwangsstörung) und wir lieben uns einfach sehr. Meine Ehe ist ziemlich schwierig geworden nach der Geburt und mein Mann findet bei der Essstörung auch nicht wirklich passende Worte ("Du kotzt unser Geld ins Klo!"). Ich will nicht detaillierter werden, aus Angst, dass er mich hier durch mein Schreiben erkennen könnte.
Ich habe ihn damals dann einmal mit dem anderen Mann betrogen, dies jedoch gestanden und dachte zuerst, ich will bei meinem Mann bleiben. Allerdings liebe ich doch den anderen...
Die Spannungen, die dadurch entstehen, baue ich wohl durch die Bulimie ab. Außerdem habe ich Angst, zuzunehmen. Ich bin übergewichtig (Adipositas 1. Grades), habe schon viel abgenommen, aber es reicht mir nicht.
Meinen Mann verlassen ist derzeit noch nicht möglich, da ich sonst meine beruflichen Ziele nicht erreichen kann ( er hilft mir neben seiner Arbeit viel mit der Betreuung unserer Tochter) und er hat mich auch ein Stück weit unter Druck gesetzt, dass ich mein Kind wohl nicht mehr sehen würde, wenn ich ihn verließe. Aufgrund meiner psychischen Probleme habe ich Angst, dass mir im Falle eines Rechtsstreites tatsächlich mein Kind abgesprochen werden würde, weil ich ja krank bin und er nicht. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich nicht mehr breche, er glaubt das wohl.

Was auch passiert ist: Der andere Mann fand mich am Anfang.. naja, nicht zu dick, aber er fand es ungewohnt. Er hatte vorher nur schlanke Mädchen. Auch wenn er sagt, dass er mich liebt, wie ich bin, habe ich immer Angst, dass ich zu dick sein könnte und dass er mich deswegen wieder verlässt. Auch diese Gedanken triggern die Bulimie ständig erneut.
Falls etwas unklar war, fragt bitte nach.

Ich will raus aus der Bulimie, weil ich Angst habe, dauerhafte Schäden davonzutragen. Mittlerweile tun mir Magen und Bauch jeden Tag weh und aus einmal die Woche wurde tägliches, mehrfaches Übergeben (ich hoffe, diese Angabe ist okay, laut Regeln sollen ja keine Zahlen genannt werden?) nach größeren Essanfällen mit hohen Kalorienzahlen. Auch meine Zähne wurden schon in Mitleidenschaft gezogen. Zwar nicht so, dass es anderen auffällt, wenn sie nur kurz draufschauen, aber wenn man es genauer betrachtet, sieht man es.

Liebe Grüße,

Aurelia

Re: Neu und hoffnungsvoll

#2
Willkommen im Forum.

Für mich klingt das so, als müsstest du, wenn du aus der Bulimie rauswillst, auch raus aus deiner Ehe.
Abgesehen davon, dass es ziemlich mies ist, deinen Mann zu betrügen und nur bei ihm zu bleiben, weil er dir beruflich nützt, scheint er dir ja auch nicht gerade gut zu tun in puncto Essstörung.
Der andere Mann - weiß er von deiner Essstörung und den anderen psychischen Problemen?
Bist du in psychologischer Behandlung?

Grüße

Re: Neu und hoffnungsvoll

#3
Hallo Christie,

es ist nicht so leicht, aus der Ehe rauszukommen. Mein Mann hat mir eben klar gemacht, dass ich, wenn ich ihn verlasse, mein Kind verliere. Ich hoffe, mit einem geregelten Job wenigstens in der Hinsicht eine Chance zu haben, wenn das Ganze vor Gericht geht.
Ich habe ihm auch gesagt, dass der andere Mann meiner Psyche gut tat und so weiter... naja, Konsens war: "Lieber kotzt du weiter, als dass ich eine offene Beziehung eingehe."
Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich durchaus polyamouröse Beziehungen in Betracht ziehen kann und da wohl eine andere Wertigkeit habe als andere Menschen. Meiner Meinung nach kann man nämlich tatsächlich mehr als einen Menschen lieben.

Der andere Mann weiß sowohl von der Essstörung, als auch von den psychischen Problemen.
Ich habe eine Verhaltenstherapie abgeschlossen und war auch einmal in der Tagesklinik, allerdings wegen der Angststörung. Die Essstörung wurde noch nicht behandelt, nein. Ich habe nicht das Gefühl, als wäre ich schon bereit, diese loszulassen, auch wenn das dämlich klingt...

Re: Neu und hoffnungsvoll

#4
Du bist also bereit, bei deinem Mann zu bleiben und ihn zu betrügen, weil du nicht bereit bist, deine Essstörung loszulassen?
Denn hättest du die ES nicht, müsstest du auch keine (wahrscheinlich unbegründeten) Sorgen haben, dass du dein Kind "verlierst" (deine anderen Probleme scheinen ja gut behandelt).

Re: Neu und hoffnungsvoll

#5
Nein, ich betrüge meinen Mann, weil er nicht bereit ist, mich gehen zu lassen.
Ich WOLLTE mich trennen, aber er hat mir Druck gemacht und lässt mich nicht gehen. Hast du Kinder? Wenn nicht, kannst du die Angst wahrscheinlich auch nicht nachvollziehen, wie die Sorge ist, diese zu verlieren.

Re: Neu und hoffnungsvoll

#7
Ich habe deinen anderen Thread jetzt nur überflogen, daher verzeih mir bitte, wenn ich etwas, was du schon geschrieben hast, nicht berücksichtige.

Für mich klingt das tatsächlich nach einer ziemlich schlimmen Situation.
Ich glaube aber, dass du dir ein paar Probleme einfacher machen könntest.
Meiner Meinung nach sollte man sehr, sehr vorsichtig damit sein, sich für einen anderen Mann von seinem aktuellen Mann zu trennen.
Du scheinst unglücklich in dieser Ehe zu sein, dann ist die Frage eigentlich, ob du so weiter machen willst oder ob du dich (für dich, um deiner eigenen Lebensqualität willen) trennen willst.
Das tückische an Affären ist (meiner Erfahrung nach zumindest), dass der "Reiz des Verbotenen" das ganze unglaublich viel prickelnder macht als es das wäre, wenn man nicht in irgendeiner Form gebunden wäre.
Das hat für mich tatsächlich irgendwie etwas bulimisches, etwas essen (oder halt vögeln), obwoh man eigentlich weiß, dass man hinterher vor schlechtem gewissen vergeht.
Von daher wäre ich sehr vorsichtig damit, ob dieser andere jetzt deine große Liebe ist.
Ich würde erst mal versuchen, ihn bei der Entscheidungsfindung auszuklammer.

Zu dem Problem mit dem Anwalt:
Wenn du in einer großen Stadt lebst, dann sind das optimale Vorraussetzungen, um sehr günstig bis gratis an rechtliche Unterstützung zu geangen, google mal öffentliche Rechtsauskunft oder such nach entsprechenden Beratungsstellen.

Zu allem anderen kann ich nicht viel sagen da ich selbst keine Kinder habe und vieles daher gar nicht nachfühlen kann.
Das einzige was ich mir vorstellen kann ist, dass ein Kind eine Lage wie die, in der du sie gerade steckst, wirklich verzwickt werden lassen kann.
Die Entscheidungen des Jugendamtes sind manchmal tatsächlich unergründlich.
Meine peröniche Meinung ist, dass du deiner Tochter keinen Gefallen damit tust wenn du in einer Ehe lebst, in der du unglücklich bist.
Kinder merken so etwas und du gibst damit kein gutes Vorbild.

Es gibt gar nicht so wenige Paare bei denen die Beziehung sich nach dem ersten Kind drastisch verändert oder sogar einschläft.
Eine Option wäre, mal mit deinem Man zu reden (es muss ihm ja selbst auch irgendwie auffallen, wenn ihr keinen Sex mehr habt) und ihm vielleicht vorzuschlagen, die Liebesbeziehung offiziell auf EIs zu legen und für eure Tochter als Zweckgemeinschaft weiter zu funktionieren.
ABer diese heimlichkeiten würde ich an deiner Stelle dringend sein lassen, nicht nur wegen deinem Mann sondern vor allem auch wegen dir selbst.
So etwas ist nicht schön und absolut nicht hilfreich wenn man aus der Bulimie rauskommen will!
CARPE THAT FUCKING DIEM