Aktuelle Zeit: Mi Nov 21, 2018 20:12

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Anmelden
Benutzername:


Passwort:


automatisch einloggen
verstecke mich


Spenden


Wer ist online?
total:0

registriert:0
versteckt:0
Gast:0

Der Besucherrekord liegt bei 524 Besuchern, die am Do Okt 25, 2018 14:44 gleichzeitig online waren.

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Legende :: Administratoren, Globale Moderatoren

Werbung

verlinke uns
Gerne kannst Du bulimie.at - das Forum verlinken. Einfach den folgenden HTML Code benutzen:



Suche



erweiterte Suche

Das Team
Administratoren
mac
Moderatoren
Bibi
blueberry
Caruso
Colourful
equilibre
hermelin
Hirngespinst
JaneDoe
Jersey
joliana
mariella
Peter_B



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 25 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: Fr Okt 30, 2015 9:30 

Registriert: 08 Okt 2015
Beiträge: 10
Hallo Anyone,

ich danke dir sehr für deine Nachricht, ich fühle mich von deinem Verständnis sehr tiefgehend abgeholt und verstanden - und zum Teil in wichtigen Punkten korrigiert und ergänzt, auch wenn mir das nicht immer leicht fällt es so stehen zu lassen. Ich glaube in einer Beziehung wie in dem Fall meiner Partnerin und mir wird man sehr schnell und tiefgreifend auf sich selbst zurückgeworfen und ist aufgefordert an sich zu arbeiten und sich prüfend zu hinterfragen. Du hast mir da einige Themen aufgezeigt, über die ich mir nun intensivere Gedanken machen muss, mich prüfen muss wie ehrlich ich da mir selbst gegenüber und damit dann auch letztlich meiner Partnerin gegenüber bin. Möglicherweise hast du mir da auch wichtige Wege aufgezeigt, wie ich besser an der Beziehung zu meiner Partnerin arbeiten kann. Wenn ich jetzt so an den Titel meines Themas denke und dann den Gesprächsverlauf sehe und welcher Input da kam, dann kann ich nur sagen - vielen Dank ihr lieben Leute! Vielen Dank für eure Zeit und eure Nachrichten. Ihr habt mir viel zu denken gegeben, mich mit Hausaufgaben versehen und mir Kraft und Mut gegeben und neue Zuversicht.

Danke euch allen!


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: So Nov 22, 2015 20:26 

Registriert: 22 Nov 2015
Beiträge: 3
Hallo User4711,

ich war auch mal mit einer Frau zusammen, welche an Bulimie erkrankt war (und vermutlich noch sein wird). Ich erkenne da ziemlich viele Parallelen zwischen meiner "Beziehung" und deiner. Da mich dieses Thema immer noch etwas beschäftigt und, vielleicht auch unterbewusst :) , ich noch nach Erklärungen suche, bin ich auf deinen Beitrag aufmerksam geworden.
Auch ich war in gewissem Maße Co-Abhängig, habe gelogen, mein Essen an sie angepasst und war komplett alleine mit meinen Beziehungsproblemen denn ich durfte ja mit niemandem darüber sprechen. Auch habe ich gegenüber den Eltern komplettes stillschweigen versprechen müssen, die gesamte Familie hat keine Kenntnis von den Problemen (die wohl mehr subjektiv von mir gesehen wurden als von ihr), wissen jedoch dass wohl irgendetwas nicht "ganz stimmt" - ihr Vater hat mich mal in einem, sagen wir sentimentalen Moment, angesprochen und gefragt was denn los sei mit seiner Tochter. Natürlich bin ich der richtigen Antwort gekonnt ausgewichen, habe es ihr ja versprochen. Vielleicht aber wäre es der richtige Schritt gewesen, endlich mal einen Teil des (Sucht)Systems aufzuklären, wie es der Tochter wirklich geht. Aber sie ist ja volljährig und mündig und ich wollte eigentlich, dass wir gemeinsam mit den Eltern sprechen. Aber das war ein Ding der absoluten Unmöglichkeit, leider. Auch wurde die Therapie abgebrochen, ein erneuter stationärer Aufenthalt immer und immer wieder herausgeschoben, negiert oder damit abgetan, dass soweit nicht in die Zukunft geplant werden könnte bzw. sie dies auch gar nicht wolle und schon gar nichts versprechen. Auch ihre Freundinnen wissen absolut nichts von der Essstörung, einzig allein einer hat sie mal über ihre Depression gesprochen.
Ich habe mich total in diese Frau verliebt, ich war sehr happy mit ihr und am Anfang war die Beziehung der Hammer. Sie hat sich sehr um uns bemüht, zeigte sich sehr interessiert und wir haben viel schöne Zeit miteinander verbracht. Allmählich aber hat sie sich immer mehr zurück gezogen, extreme Stimmungsschwankungen, kaum mehr Zuneigung usw. Also auch "Symptome" die du beschreibst. Auch zeigte sie dann ein kindliches Verhalten, sie wäre wie sie ist und die Störung ein Teil von ihr, es gäbe sie nur mit der Bulimie. Am Vormittag wusste ich dann nicht mehr, wie die Situation am Abend ist, was auszumachen war schwierig. Dann war sie auch sehr oft müde, musste teilweise ganze Tage fast komplett durchschlafen; sie zeige sich nun von ihrer richtigen Seite wie sie dies dem Freund gegenüber auch möchte und eine Akzeptanz von ihm erwarte. Ich hatte noch nie eine Beziehung mit einer psychisch kranken Frau und hatte noch keine Berührungspunkte mit Essstörungen. Freilich, man kennt Betroffene aber nicht im Beziehungskontext. Ich versuchte alles nur für mich mögliche, dass sie aus der Sucht ausbrechen kann, habe nach dem Essen geschaut dass sie nicht allzu rasch aufs WC geht, wollte einen Kochkurs machen und hätte auch angeboten mit ihr in die Therapie zu gehen, sofern sie dies denn wolle. Sie lehnte alle meine Ideen ab, plötzlich kam ich dann irgendwann gar nicht mehr an sie ran.
Dann musste ich, um mich auch etwas selbst zu schützen, die Beziehung beenden, da ich dies nicht als eine solche interpretierte. Und das war die härteste und schlimmste Trennung die ich jemals hatte. Schließlich habe ich sie ja über alles geliebt und wollte unsere Beziehung auf eine höhere Ebene heben, gemeinsam an der Erkrankung zu arbeiten um irgendwann auch mal Kinder haben zu können, aktiver zu sein und den Alltag nicht mehr durch die Droge "Essen" bestimmen zu lassen. Den wahren Grund der Trennung kennt - von ihrer Seite - natürlich niemand. Ich habe dann erfahren, dass ich "der Böse" bin, die Freundinnen meinten ich wäre nicht der richtige gewesen usw. Die Vorgeschichte oder was wir besprochen haben, welche Bemühungen ich in diese Beziehung gesteckt habe, das weiß - von ihren Leuten - niemand. Obwohl schon lange her, kämpfe ich noch heute ab und an mit dieser Trennung. Einen so lieben und feinfühligen, interessanten, hübschen sowie intelligenten aber auch schwer kranken Menschen habe ich noch nie getroffen. Ich wäre mit ihr wieder eine Beziehung eingegangen wenn sie mir nur konkret mal gezeigt hätte, dass sie was ändern und an sich und uns arbeiten möchte. Nach all den Monaten leerer Versprechungen rechnete ich aber nicht mehr damit. Insgeheim hoffe ich irgendwie immer noch, dass sie sich mit einem konkreten Veränderungswunsch meldet.

Sorry, dass ich in diesem Post meine Gefühle auch mal zum Ausdruck bringen musste, wie du eh weißt sind wir sehr eingeschränkt mit wem wir im echten Leben darüber sprechen können :) Aber eigentlich würde mich interessieren, wie es denn bei dir nun weiter gegangen ist? Ist die Beziehung noch aufrecht? Weil so wie du schreibst, ist deine Freundin noch ziemlich "tief drinnen" und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass eine solche Partnerschaft extrem belastend ist - wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann. Solch destruktives Verhalten ist nicht einfach zu kompensieren und auch zuzusehen, wie eine Person mit extremen Ressourcen (interne und externe) sich selbst zerstört, Tag für Tag. Ich weiß, du würdest alles machen und sie unterstützen wo es geht. Aber dann muss sich ja de facto nichts an ihrer Lebenssituation verändern, das System funktioniert. Und deine Bedürfnisse werden wohl zurück gestellt. Würde mich einfach interessieren, wie es weiter gegangen ist. Sehe da deine Situation sehr kongruent mit meiner und als ich deine Beiträge gelesen hatte, konnte ich mich stark mit dir identifizieren; bis ich dann eben den Schritt zur Trennung wagte.

LG


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Mo Nov 23, 2015 7:54 

Registriert: 17 Apr 2015
Beiträge: 410
Lieber interessierter,

ich habe deinen Text mit Interesse gelesen, und mir bei vielen Passagen gedacht:
Genau so! Das ist typisch! oder So war ich auch!
Dieses enge und doch distanzierte Beziehungsmuster, das Festhalten an der Bulimie, die sogar über das Wohl der Partnerschaft gestellt wird, die Identifikation mit und durch die Krankheit...
Ich glaube, wenn generell diese Überzeugung da ist, dass man nicht von der Essstörung wegkommen will, dass man diesen großen Teil seines Lebens nicht loslassen will, dann kann auch keine Beziehung funktionieren, weil die Bulimie nicht nur Energie und Essen "frisst", sondern auch die Kraft der Menschen, die einem zur Seite stehen. Ich kann deinen Schritt zur Trennung als Selbstschutz gut verstehen!
Ich an deiner Stelle wäre sogar noch einen Schritt weitergegangen und hätte mit ihrer Familie / ihren Freunden geredet. Aber das ist natürlich nur meine Tendenz und ob es gut gewesen wäre, weiß ich nicht. Mir hätte es in deiner Situation auf alle Fälle gut getan.

Ich danke dir für deinen Erfahrungsbericht!


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Mo Nov 23, 2015 18:49 

Registriert: 22 Nov 2015
Beiträge: 3
Hallo Complessa,

vielen Dank für deine Antwort. Du warst also auch einmal mit einer bulimischen Partnerin zusammen?
Ich habe dann nach der Trennung nochmals versucht, dass wir erneut zusammen kommen, habe fast schon gefleht dass sich doch endlich mal was ändert - aber keine Chance. Da ich in Beziehungen immer ehrlich war und auch dort sein wollte (sie hat mir ja auch von ihrer ES erzählt und dass sie mich hin und wieder belogen hatte wenn es doch mal nicht klappte, was sie mir zuerst zusicherte), habe ich sie darüber informiert, dass ich mit einem, meinem besten, Freund über die Thematik gesprochen habe. Wir erzählen uns alles und da habe ich, als ich nicht mehr weiter konnte, ihm dies auch anvertraut. Er hat dann sogar seine Unterstützung angeboten, hätte bzw. hat das nie jemandem weiter erzählt oder sie gar verurteilt. Im Gegenteil: Er wusste ja genauso, dass diese Störung nicht von "irgendwoher" kommt, sondern die Wurzeln irgendwo im Inneren der Seele hat; er hätte mich auch weiterhin auf dem Beziehungsweg unterstützt wo andere Kollegen schon gemeint haben, ich solle sie gehen lassen, da stimme doch etwas nicht (die haben natürlich keine Ahnung was denn nicht stimmt. Aber ich musste mich zumindest einer Person anvertrauen - schliesslich handelt es sich ja nicht um eine Grippe, die dann nach ein paar Tagen oder - im schlimmsten Fall - Wochen wieder vergeht. Das konnte sie dann leider gar nicht mehr verstehen, ich hätte ihr Vertrauen gebrochen usw., entgegnete sie mir. Dass ich einfach ein Sprachrohr brauchte, total verzweifelt war und mal zumindest mit irgendjemandem drüber sprechen musste, kam bei ihr absolut nicht an. Und schon gar nicht, dass ich eigentlich mit meinen Bemühungen, und natürlich etwas Drängen, die Beziehung und uns retten wollte. Im Nachhinein weiss ich, dass ich so gut wie alles falsch gemacht habe; nur weiss ich auch nicht, wie es richtig gewesen wäre. Zuzusehen, abwarten, hoffen und positiv bestärken und sagen "ist doch nicht so schlimm", wenn das Klo mal wieder deutliche Spuren zeigte oder nach dem Essen plötzlich lange geduscht wird, wo ich natürlich nicht dabei sein durfte? Wenn man selbst in seiner Persönlichkeit "ein Durchsetzer" ist, dann fällt einem diese Machtlosigkeit und das reine zusehen sehr schwer bzw, ist es nahezu unmöglich.
Als ich mich dann intensiver mit dem Thema Bulimie, Beziehungen und Vertrauen auseinander setzte (wohl zu spät) wurde mir klar, dass - sorry, ich hoffe ich verallgemeinere nicht zu sehr - in der Welt der Bulimiker (zumindest in ihrer), dies als höchster Vertrauensbruch gelten musste.

lG


Zuletzt geändert von interessierter am Mo Nov 23, 2015 19:18, insgesamt 3-mal geändert.

Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Mi Nov 25, 2015 13:04 

Registriert: 17 Apr 2015
Beiträge: 410
Nein, interessierter, ich war selber betroffen und habe an den Handlungsmustern deiner Exfreundin mich selber wiedererkannt.

Was genau meinst du mit "höchster Vertrauensbruch"? Den Zusammenhang habe ich leider nicht ganz verstanden.


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Mi Nov 25, 2015 13:55 

Registriert: 22 Nov 2015
Beiträge: 3
Gratuliere dass du geschafft hast, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Darf ich dich fragen, wie du es geschafft hast bzw. wie lange das gebraucht hat? Hat es einen speziellen "Anstoß" gegeben? Wäre für diesen Weg überhaupt eine tiefgehende Partnerschaft hilfreich bzw. überhaupt möglich gewesen?


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Do Nov 26, 2015 13:03 

Registriert: 17 Apr 2015
Beiträge: 410
Ich war 2 Monate stationär, danach hatte ich für etwa 2 Jahre mal Gruppen-, mal Einzelthera. Habe Entspannungskurse gemacht, eine Sportart angefangen, Körperakzeptanztherapie gemacht und von Anfang des Heilungsprozesses an "normal" gegessen.
Eine Partnerschaft wäre in meiner schlimmen Zeit zwar möglich gewesen, jedoch wäre es für den potentiellen Partner eine ziemlich Katastrophe gewesen denke ich, da ich gar nicht in der Lage war, aufrichtige Liebe, Zeit und Aufmerksamkeit zu geben, und an einem "wir" zu arbeiten.


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Do Dez 03, 2015 10:02 

Registriert: 08 Okt 2015
Beiträge: 10
Hallo Interessierter!

sorry, ich war ein paar Tage nicht im Forum und bin daher erst jetzt über deinen Beitrag gestoßen. Vielen Dank für dein Interesse und deine Nachfrage - ich werde gerne antwoorten.

Ich bin noch mit dieser Frau zusammen, ja. Und auch wenn es immer wieder große Rückschläge gibt und alles extrem kraftaufwändig und zehreend und langwierig und immer wieder extrem demotivierend und anstrengend... es sind Fortschritte spürbar. Mikrofortschritte aber Fortschritte. Ich denke ich muss das erklären.

Meine Freundin ist was ihre gesamte innere Disposition angeht meines persönlichen Erachtens nach noch in der Situation, in der sie sich mit der Essstörung und mit den damit einhergehenden weiteren Erkrankungen (Depression, vor einiger Zeit diagnostiziertes Restless Legs Syndrom, Migräne, Schwindel...etc.) arrangiert. Sie ist nicht soweit, dass sie den inneren Schritt gemacht hat dies alles loszuwerden. Emotional natürlich schon - immer wenn es ihr schlecht geht - aber es folgt dann keine Aktion. Fühlt sie sich zu dick ist sie depressiv, kann aber keine Aktion einleiten (Therapie, Sport, etc.) sondern akzeptiert den Zustand als Teil ihrer Persönlichkeit - genauso wie du es auch beschrieben hast. Diese Verknüpfung der Krankheit mit der eigenen Persönlichkeit ist (meiner Meinung nach - bin aber kein Experte) ein klares Signal für das Arrangieren. Erst wenn die Krankheit als solche erkannt wird und eine nicht nur intellektuell verstandene sondern auch mit ganzer Person getragenen Distanz betrachtet wird, kann ja eine wirkliche Abkehr von der Essstörung eingeleitet werden. Es muss erst begriffen werden - das bin ich nicht, sondern die Essstörung die da Fressanfälle hat. Ich bin deswegen nicht schlecht nur weil ich krank bin. Diese Erkenntnis ist in ihr verstandesmäßig auch noch nicht wirklich vorhanden, daher ist sie überladen mit Selbsthass, sie nennt sich fette Sau, schlechter Mensch, schlecht für andere, sie mache alles kaputt, etc. pp. - Sie identifiziert sich mit der Krankheit. Sie war zwar vor einigen Jahren mal in stationärer Behandlung, aber das ist mit negativen Erinnerungen verbunden und nicht Auslöser für diese Erkenntnis gewesen. Verschärft wird die Problematik bei uns, dass sie sehr offensiv mit dem Thema gegenüber anderen umgeht. Kaum kennt man sie wird man schon von ihr informiert, sie habe eine Essstörung. Das wird dann alles sehr klar und klug von ihr formuliert, man hat schnell den Eindruck, sie versteht das alles und sieht alles ganz klar und weiß was sie tut. Je mehr ich mich aber mit ihr auseinandergesetzt habe, desto mehr habe ich erkennen müssen, dass es ihre Art der Verdrängung ist. Quasi so offen und aggressiv darüber zu kommunizieren um zu signalisieren - lass es mir was erzählen zu wollen ich habe alles im Griff, alles gelesen, weiß alles besser zum Thema als jeder andere, nur ich weiß was zu tun ist, hab Vertrauen und lass mich das machen, halte dich raus - nur um hinter dieser Fassade geschützter vor der tatsächlichen und mit Konsequenzen beladenen Auseinandersetzung mit dem Thema zu sein.

Anfangs habe ich versucht einen ähnlichen Weg wie du einzuschlagen, ich habe versucht in diese Welt einzutauchen und mich darauf einzustellen, zu helfen, zu unterstützen, Wege aufzuzeigen. Aber nichts half nachhaltig. Irgendwann habe ich für mich erkannt, dass es der falsche Weg für uns ist. Es gibt einfach nichts "direktes" was ich tun kann um sie dahin zu bringen ihre Situation zu erkennen und dagegen aufzustehen. Selbst wenn ich ihr insGesicht all dies sagte was ich hier schreibe, es würde nicht ankommen. Weil sie es nicht zulässt - und zwar zu Recht!!! Denn dies ist ein immens wichtiger und absolut essentieller Schritt, den nur sie allein aus eigenem Antrieb und eigener Kraft tun MUSS, wenn es erfolgreich sein soll.
Ich habe mich also ab da etwas anders verhalten. Und zwar so, dass ich ihr einfach zeige, dass ich ihr vertraue. In allem. Auch wenn ich weiß, dass es schlecht, falsch, kontraproduktiv oder sonstwas ist. Ich lüge zwar nicht und sage das ich es für schlecht, falsch etc. halte, aber ich bekräftige sie in ihrer position, weil ich es als notwendig sehe, dass sie in allen Lebenssituationen das Vertrauen von mir erfährt. Denn das ist ja eine der großen Baustellen einer Essstörung. Das sich sellbst nicht vertrauen, dem eigenen Körper nciht vertrauen, den eigenen Gefühlen und Gedanken. Wenn also jemand da ist, der zeigt dass er immer da ist, vertraut und auch dann noch vertraut und da ist wenns scheiße läuft und Fehler passieren. Dann kann man sich daran aufrichten. ...so ist zumindes mein Denken bei meiner Haltung ihr gegenüber. Ich begreife sie nicht als kranken Menschen, sondern als Person die ich liebe und der ich Vertrauen schenke in Bezug auf ihre Art, mit ihrer Lebensdisposition umzugehen. Ich werde der Erste sein der "Ich" schreit wenn sie sagt - jetzt habe ich es erkannt und stehe gegen meine Essstörung auf - aber der Letzte, der sie dazu drängt. Das mag alles verworren klingen, aber für mich macht es Sinn genauso. Und ja, es ist unglaublich hart. Denn es kostet unendlich Kraft, ist mit unheimlich viel Zurückstecken, sich selbst hintenanstellen und Tiefschläge einstecken verbunden... aber das kennst du selbst. Aber es ist erfolgreich. Es trägt Früchte. Ihr Vertrauen in mich wächst. Die Abstände beispielsweise in Konfliktsituationen zwischen verletzend sein und dicht machen und abblocken und dem sich (wieder)öffnen sind von Tagen zu Stunden geworden. Sie reflektiert immer mehr aus eigener Kraft Situationen und Geschehnisse. Trennt sich von alten Angewohnheiten und schlechten Erinnerungen an denen verkrampft festgehalten wurde. Ist mehr und mehr offen für z.B. gemeinsame Ausflüge, Gespräche, Freunde. Immer wieder kommen zwar die Rückschläge und Einbrüche, aber es ist nicht mehr 3 Schritte vor und mindestens 3 Schritte zurück, sondern 3 Schritte vor und nur 2 zurück. Also Vorwärts! Und durch all dies hindurch merke ich, wie ihre Liebe mir gegenüber wächst und meine ihr gegenüber.

Ich glaube an diesen unseren Weg. Und durch die Ergebnisse, mögen sie für Aussenstehende auch noch so klein sein, hole ich mir die Kraft zum Durchhalten, zum Aushalten und Warten. Denn es lohnt sich für mich. Denn meine Traumfrau kommt mir dadurch immer näher und näher.

Es ist eine unglaublich schwere und intensive Art an einer Beziehung zu arbeiten, dass mag es wohl auch sein, was du heute noch spürst beim zurückdenken. Wem man so intensiv und so nahe kam, den behält man im Herzen. Ich kann dir nur wünschen, dass du nicht wehmütig zurückdenkst, sondern in deinem Herzen genau diese Art von Arbeit leistest, die sie nicht tun konnte aus eigener Kraft. Liebe sie. Wenn auch durch die neue Situation auf andere Weise, aber liebe sie und vertraue ihr. Es wirkt. Selbst wenn ihr euich nicht mehr begegnet, aber es wirkt. Davon bin ich fest überzeugt.

ganz liebe Grüße!


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Do Dez 03, 2015 13:44 
Benutzeravatar

Alter: 32
Registriert: 06 Aug 2005
Beiträge: 723
Wohnort: Duisburg
Hallo User!

Ich hab vieles,nicht alles gelesen und ziehe den Hut vor deiner Reflektiertheit und deiner Kraft.ich möchte gar nicht so viel sagen,nur dass ich es befürworte,dass ihr euren Weg geht.es ist zwar interessant,was andere meinen,aber letzten Endes steckt nur ihr in genau dieser Situation und du musst für dich entscheiden,was du willst und was du aushalten kannst.

Ich bin selbst betroffen.tief drin seit vielen vielen Jahren trotz mehrmaliger stationärer und ambulanter Therapie.heute denke ich,dass ich in meiner Beziehung und in der davor gar nicht gesund werden konnte/kann.viel zu sehr wollten diese Menschen,dass ich doch endlich normal esse oder mich zwinge oder einfach nur genug wollen müsse.es klang immer wie ein Vorwurf und irgendwo war es auch einer.sie verstanden es nicht (wie auch?) und waren enttäuscht.ich hab kein großes Selbstvertrauen und habe durch solche Aussagen der mir wichtigsten Bezugspersonen daran eher einbüßen müssen.ich hätte Zuspruch,immer und immer wieder gebraucht.Bulimiker bzw solche,die es nicht schaffen,machen sich ständig Selbstvorwürfe u trauen sich immer weniger.daher ist es vllt gar nicht schlecht,du schenkst ihr Vertrauen u bietest ihr Austausch an.
Bei mir ist es so,ein Muster,dass ich in Kindertagen gelernt habe,dass ich mich und meine Bedürfnisse nicht mehr spüre,zumindest nicht erfüllen kann,wenn ich merke/fühle,was andere wollen und dass vllt sogar konträr zu meinem Bedürfnisse ist.im konkreten Fall der Bulimie heißt das,dass ich diesen starken Wunsch meiner Mutter,doch endlich gesund zu wegen so wie auch von meinen Partnern spüre,dass ich selber das gar nicht mehr wollen kann und sich zumindest bei meiner Mutter ein TrotzGefühl einstellt.so nach dem Motto"lass mich endlich in Ruhe und nimm mich ,wie ich bin." im innern will ich bestimmt gesund sein,da d Krankheit einfach scheisse ist,aber durch d Druck von außen kriege ich nichts hin.

Klar muss deine Freundin gesund werden wollen,aber wenn sie nicht genug Vertrauen in sich hat,oft gescheitert ist,dann geht es nicht.das hast du gut erkannt und ich finde es genau richtig,sie so mit dem Arrangement mit der Krankheit zu akzeptieren und sie nicht zu drängen irgendetwas zu tun.
Ich hätte gern e Freund,der mich mit der Bulimie liebt,sie akzeptiert und v.a. mich unterstützen möchte.bei mir am ehesten durch Gespräche..nicht mit dem Essen oder so etwas.konstruktiver Austausch,wann was für beide gut und richtig ist. das ist nicht nur bei psychisch Erkrankten essentiell.

alles gute

_________________
Verstehen kann man das Leben rückwärts, leben muß man es aber vorwärts.


Zuletzt geändert von Schlafquala am Do Dez 03, 2015 13:54, insgesamt 3-mal geändert.

Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: Mi Dez 09, 2015 12:11 

Registriert: 08 Okt 2015
Beiträge: 10
Hallo Schlafquala,

vielen Dank für deine Rückmeldung und motivierenden Worte! Dein Zuspruch und dein Bericht über deine Erfahrungen sind für mich von großem Wert. Der Punkt mit dem durch den Wunsch der Mutter erfahrenen Druck meine ich auch bei meiner Partnerin sehr stark zu spüren. Diese Erwartungshaltung ihrer Eltern ihr gegenüber nagt an ihr bis heute und ist immer noch bestimmend im Verhältnis zu ihren Eltern und auch zu anderen Menschen - auch zu mir. Diese natürliche - und eigentlich richtige "Trotzreaktion" des "nimm mich wie ich bin" ist das eigentlich richtige Gespür für den Wert der eigenen Person, dass diese eben erkannt und geschätzt werden soll und nicht das Äußerliche. Doch wenn eine starke Identifikation mit der Essstörung stattfindet, dann verrutscht das etwas und wird zu einem "akzeptiere die Essstörung, denn das bin ich". Und das ist ein Missverständniss des/der essgestörten Person über sich selbst, dass ein ganz starker treibender Faktor der Krankheit ist. Daher ist es für einen Außenstehenden wie mich immer eine sehr diffizile Gratwanderung zu erkennen, wann man sich wie richtig verhält. Hier brauche ich immer großes Fingerspitzengefühl im Umgang mit meiner Partnerin. Lasse ich diese starke Identifikation mit der Essstörung zu sehr zu, dann verrutscht das Gleichgewicht in der Beziehung zu stark, denn dann wird es zu einem Egotrip bei dem ich nur noch zurückstecke. Das reicht ja bis hin zu emotionaler Erpressungsszenarios (nimm mich wie ich bin, sonst fühl ich mich schlecht und muss an der Beziehung zweifeln...). Als Partner werde ich da immer sehr stark unter emotionalen Druck gestellt, denn so wie ich das hier im Forum erfahren habe und auch bei meiner Partnerin, ist das Thema der Selbstliebe und der Liebe im allgemeinen immer der Dreh- und Angelpunkt der Krankheit. Der "Liebesentzug" des Umfeldes, der Familie, der Partner & Freunde ist das Trauma der Essstörung, welches dann ganz klar von den Betroffenen übernommen wird. Im Falle meiner Partnerin kann das auf die Formel runtergebrochen werden, bin ich (nach eigenem Verständnis) schlank bin ich liebenswert, bin ich nicht schlank, bin ich nicht liebenswert. Diese Form der emotionalen Bestrafung die durch das Umfeld erlernt wird, ist dasjenige das meine Partnerin geprägt hat. Und dadurch ist es auch die einzige Beziehungstechnik, die sie gelernt hat. Das heißt, wenn wir in Streit geraten, entzieht sie mir Liebe und verweigert Nähe, Sexualität etc. weil das die einzige Reaktion auf Konflikte ist, die sie erlernt hat. Sie verweigert sich auch die Selbstliebe, wenn sie sich nicht schlank fühlt - weil es die einzige Reaktion auf innere Konflikte ist, die sie erlernt hat. Und genau dieses Thema versuche ich mit meinem Verhalten aufzubrechen, welches ich in meinem vorigen Posting beschrieben habe. Ich möchte, dass sie durch mein Verhalten ihr gegenüber lernt, dass ich in Konflikten anders reagiere und die Beziehung deshalb besser wird und nicht schlechter. Wenn wir streiten, bin deshalb immer ich derjenige, der letztlich die Hand zur Versöhnung reicht. Sie kann es nicht (wenn auch in letzter Zeit ansatzweise eine Entwicklung dahin stattfindet!!!). Aber sie merkt, was dies für einen positiven Effekt hat wenn Versöhnung stattfindet und sie auch im größten Streit von mir Vertrauen und Liebe erfährt, auch wenn sie mich und sich selbst in diesem Moment hasst. Sie soll quasi "erlernen", dass ich sie Liebe und ihr vertraue ganz unabhängig von einem aktuellen Kilostand auf der Waage oder ihrem derzeitigen Selbstwertgefühl etc. - denn wirkliche Liebe und Freundschaft ist nicht an solche Grenzen gebunden.
Was ich damit sagen will - ich will einfach dafür sorgen, dass sie sich geliebt und wertgeschätzt fühlt. Sie als Person. Ich möchte ihr aber auch rückmelden, dass ich nicht die Essstörung liebe, oder deren Auswirkungen auf unsere Beziehung gut heiße. Sie muss Beziehung genauso erlernen wie ich und kann sich keine Sonderrechte bedingen, nur weil sie eine Essstörung hat. Das kann nur ich freiwillig gewähren. Ich denke das ist wesentlich für eine solche Beziehung. Ich liebe sie. Trotz ihrer Essstörung, nicht weil die Essstörung zu ihr gehört. Ich liebe meinen Bekannten ja auch nicht weil er eine Erkältung hat, sondern trotz dieser. Da muss man als Außenstehender auch immer sehr aufpassen, dass man das nicht übernimmt. Der/die essgestörte Person identifiziert sich mit der Krankheit und der Partner akzeptiert sie damit... das ist kontraproduktiv. Es ist für mich immer klar zu unterscheiden, ich akzeptiere die Partnerin und ihr Ringen mit der Krankheit, nicht sie als Essgestörte oder die Essstörung. Das sind zwei paar Schuhe. Genauso, wie sie mir sagen darf, ich finde es scheiße wenn du dies oder das immer so oder so machst, das erzeugt Probleme in unserer Beziehung - möchte ich sagen dürfen, ich finde es scheiße wenn du dich fette Sau nennst oder mich auslachst wenn ich sage ich finde dich schön - denn das erzeugt genauso Probleme in der Beziehung! Ich will sie ernst nehmen in ihrer Auseinandersetzung mit der Krankheit und das tue ich nur wenn ich diese Auseinandersetzung akzeptiere. Aber nicht die Krankheit. Die finde ich scheiße und weder akzeptierens- noch liebenswert. Die ist einfach nur scheiße.

Sorry, wenn ich das wirr formuliere, ich muss da immer selbst drum ringen, wie ich das einigermaßen verständlich sdagen kann, was ich denke. Ist nicht immer einfach... Jedenfalls hilft mir solch ein Input wie Deiner, ein immer besseres Verständnis zu entwickeln und ich nehme auch daraus wieder wertvolle Anregungen mit - Vielen Dank dafür!

Ganz liebe Grüße


Link
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 25 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
homac.at - Webdesign aus Wien - Weblösungen & Internetapplikationen
ryp - rentyourpage - schnell und günstig zur eigenen Homepage samt Domain und mobiler Webseite
phalb - das Online Photo und Media Album - auch für mobile Endgeräte
mwsb - mobile website builder - der schnelle Weg zum mobilen Webauftritt
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Portal by phpBB3 Portal © phpBB Türkiye